Netzentwicklungsland Deutschland – Wohl kein flächendeckendes 5G

5G Ausbau mit Tücken
Martin Berk / pixelio.de

Seit einer Weile hört man immer öfter vom künftigen Mobilfunkstandard 5G. Der LTE-Nachfolger soll bis zu 20 mal schneller sein als aktuelle LTE-Netze, erlaubt Geräten quasi den Datenaustausch in Echtzeit und verbraucht dabei nur einen Bruchteil der Energie gegenwärtiger Mobilfunknetze. Wollen wir wirklich in ein paar Jahren von Industrie 4.0, autonomen Fahrzeugen oder dem Internet der Dinge profitieren, ist ein flächendeckender Ausbau von 5G zwingende Voraussetzung.

Flächendeckendes 5G „unfassbar teuer“

„Wir forcieren den Ausbau der Mobilfunkversorgung und entwickeln Deutschland zum Leitmarkt für 5G.“. So steht es folgerichtig im Koalitionsvertrag. Scheinbar hat die GroKo da den Mund aber etwas zu voll genommen.  Kanzleramtschef Helge Braun von der CDU hat sich jüngst zum neuen Netzstandard geäußert. Er hält ein flächendeckendes 5G für nicht machbar, da es weder bedarfsgerecht, noch realistisch sei. Außerdem sei das Ganze „unfassbar teuer“. Seiner Aussage nach solle zuerst in ein flächendeckendes 4G-Netz investiert werden.

Ähnlich äußerten sich auch Vertreter der großen Mobilfunkkonzerne in Deutschland. Das Problem mit 5G ist, dass es ein sehr kurzwelliges Frequenzspektrum hat. Das ermöglicht zwar hohe Kapazitäten, hat aber eine niedrigere Reichweite als 4G-Netze. Folglich werden mehr Sendestationen benötigt, als für LTE. Telefónica rechnet für ein flächendeckendes 5G mit Investitionskosten vn etwa 70 Milliarden Euro.

Lizenzen sollen im Frühjahr 2019 versteigert werden

Die Lizenzen für die neuen Netze sollen im kommenden Jahr versteigert werden. Bisher sind jedoch einige Eckpunkte durchgesickert, die zum Teil auf Kritik stoßen. Wer den Zuschlag erhält, soll verpflichtet werden, bis 2020 98 Prozent aller Haushalte mit mindestens 100Mbps zu versorgen. Darüber hinaus soll die Versorgung entlang wichtiger Bahntrassen und Autobahnen sichergestellt sein und jeder, der den Zuschlag erhält soll zum Bau mindestens 500 weiterer Sendestationen verpflichtet werden. In einem Brief an den Präsidenten der Bundesnetzagentur fordern Unions-Abgeordnete verschärfte Vergaberegeln und striktere Vorgaben für den Netzausbau. Nach aktuellen Terminplan soll die Auktion im kommenden Frühjahr stattfinden. Mit den ersten 5G-Tarifen wird dann ab 2020 gerechnet.

4G-Ausbau kommt voran – Langsam aber sicher

Unterdessen können die Netzbetreiber Fortschritte beim Ausbau der 4G-Netze vermelden. Als die Mobilfunkfrequenzen für die 4G-Netze 2015 versteigert wurden verpflichteten sich die Netzbetreiber, bis Ende 2019 mindestens 98 Prozent der Bevölkerung mit LTE zu erreichen. Diesem Ziel am nächsten ist laut eigenen Aussagen die Telekom, deren Netzabdeckung bei etwa 97,5 Prozent liegt. Bei Vodafone erreicht man aktuell 93 Prozent und beim Schlusslicht Telefónica-O2 lediglich 85 Prozent. Die Prozentangaben beziehen sich jedoch auf die Bevölkerung und nicht die Fläche. Auch bei einer Abdeckung von 98 Prozent gibt es also weiterhin zahlreiche Funklöcher.

In der Netzinfrastruktur ist Deutschland Entwicklungsland

Eine Studie aus dem Februar diesen Jahres zeigt, dass Deutschland Netztechnisch gesehen noch Entwicklungsland ist. Die Studie konstatiert für Deutschland eine 4G-Erreichbarkeit von gerade einmal 65,67 Prozent. Damit man das etwas einordnen kann: Deutschland liegt damit knapp hinter Albanien und der Türkei, aber noch vor Kolumbien und Guatemala. Im Vergleich der europäischen Länder landet Deutschland damit auf Platz 31 von 36. Beim Vergleich der Geschwindigkeiten sieht es mit Platz 32 auch nicht besser aus. In nahezu allen Testbereichen liegt übrigens die Telekom vor Vodafone. Abgeschlagen dahinter landet Telefónica mit O2. Mit 33,6Mbps lag die durchschnittliche Geschwindigkeit er Telekom fast 13Mbps über der Durchschnittsgeschwindigkeit der Vodafone 4G-Netze. Lediglich in der Latenzzeit der 3G und 4G-Netze liegt Vodafone vorn. In allen Kategorien auf dem letzten Platz liegt O2.

Telekom fällt positiv auf

Betrachtet man in den Vergleichen nur die Werte der Telekom würde Deutschland weitaus besser abschneiden. Die Geschwindigkeiten der Telekom (81,31%) würden für eine Platzierung in den Top Ten ausreichen. Wäre O2 Taktgeber wäre Deutschland hingegen abgeschlagen. Nach den Messverfahren der OpenSignal Studie bietet O2 eine Netzabdeckung von gerade einmal 59,24 Prozent. Das würde zwar auch für eine Top 10 reichen, allerdings am anderen Ende der Tabelle. O2 würde sich damit zwischen der Dominikanischen Republik und Armenien einreihen.