Wie Amazon McDonalds und Co den Kampf ansagt

Nachdem Amazon bereits den Onlinehandel überrollt und seinen Stempel aufgedrückt hat macht sich der Handelsriese nun auf den Weg in den stationären Handel. Anfang diesen Jahres machte das Unternehmen in Seattle den Anfang, zahlreiche weitere Standorte sollen nun folgen. Die Geschäfte scheinen gut zu laufen.

Bei den unter dem Namen „Amazon Go“ laufenden Geschäften handelt es sich um Supermärkte, die fast ohne Personal auskommen. Lediglich für die Altersprüfung bei den Spirituosen und für das Befüllen der Regale wird Personal benötigt. Ansonsten ist alles weitgehend automatisiert. Wer in den Geschäften einkaufen will muss ein Konto bei Amazon besitzen und sich beim Betreten des Ladens mit einem Code auf dem Handy ausweisen. Kameras und Sensoren überwachen von da an jeden Schritt des Kunden. Welche Waren er in den Korb legt und letztlich mitnimmt wird automatisch erfasst. Beim Verlassen des Geschäfts wird der Betrag automatisch vom Amazon Pay Konto abgebucht.

Amazon könnte Einzelhandel nachhaltig verändern

Das Potenzial hinter dieser Idee ist riesig. Amazon hat genügend Kapital, um sich im großen Stil Marktanteile zu verschaffen. Durch den konsequenten Einsatz modernster Technologie und den Verzicht auf Personal könnte Amazon Go zu einem weiteren Goldesel von Jeff Bezos werden. Aktuell jedoch sind in den Amazon Geschäften noch mehr Menschen beschäftigt als in anderen Supermärkten. Wenn die Technik ausgereift ist wird sich das aber ändern.

Die Amazon Geschäfte sind in der Sparte der Convenience-Stores zu Hause. Geboten werden fertig zubereitete Mahlzeiten für zwischendurch. Beispielsweise Sandwiches, fertige Salate oder Smoothies. Vieles wird dabei von Köchen im Geschäft zubereitet. Amazon Go ist damit ein direkter Konkurrent für alteingesessene Ketten wie Seven-Eleven, die es in den USA an jeder Ecke gibt. Auch Fast-Food Ketten wie McDonalds könnten es zu spüren bekommen, wenn sich Amazon Go Geschäfte durchsetzen. Ein Vorteil gegenüber all diesen ist der unkomplizierte Ablauf. Man nimmt sich nur die gewünschten Artikel aus den Regalen und geht wieder. Kein Schlange stehen an der Kasse und kein Kramen nach Kleingeld mehr.

Tausende geplante Eröffnungen in den kommenden Jahren

Und danach sieht es momentan aus. Bis Ende diesen Jahres will Amazon zehn Geschäfte eröffnet haben. Im Jahr 2019 sollen etwa 50 neue dazu kommen und bis 2021 soll die unglaubliche Zahl von 3000 Geschäften erreicht werden. Auch Deutschland und Europa im Allgemeinen könnten Zielmärkte des Handelsriesen sein. Deutschland ist nach den USA der zweitwichtigste Markt für Amazon. Deutschland ist eher ein Entwicklungsland was Convenience Stores angeht. Während es in anderen Ländern mehrere Ketten gibt, die sich auf dem Markt tummeln wird das Feld in Deutschland vor allem Tankstellen und Kiosks überlassen. Mit einem reichhaltigen und frischen Sortiment könnte Amazon damit offene Türen einrennen. Die deutsche Kundschaft gilt außerdem als sehr preisbewusst. Kann Amazon sich durch weniger Personal und damit geringere Kosten einen Marktvorteil verschaffen, könnte Jeff Bezos in ein paar Jahren nochmal deutlich reicher sein als jetzt schon.

Kritiker sehen Probleme beim Datenschutz

Aber natürlich hat Amazon nicht nur Fans. Kritiker erachten es als schwierig, das Konzept der Go-Märkte auf Europa und die hier geltenden Datenschutzvorschriften anzuwenden. Kritiker fürchten die Datensammelwut von Amazon. Insbesondere die zentrale Speicherung aller Daten und die Verknüpfung der Online- und Offlinedaten bereitet Datenschützern Bauchschmerzen. Ein wesentlicher Kritikpunkt ist, dass niemand genau weiß, welche Daten erfasst werden. Der ehemalige Datenschutzbeauftragte des Bundes Peter Schaar befürchtet, dass Amazon von jedem Kunden ein exaktes Kundenprofil erstellt. Damit wären beispielsweise auch individuelle Preise oder individualisierte Werbung möglich.