Das Internet wird neu erfunden

Schon mal von Tim Berners-Lee gehört? Vermutlich nicht. Doch ohne ihn könntest du das hier vielleicht nicht lesen. Tim Berners-Lee ist der Erfinder von HTML und gilt als Begründer des Internets. Er erfand das Internet sozusagen, als er eine schnellere Möglichkeit zur internen Kommunikation am CERN schuf. Dabei entstand auch die erste Internetseite der Welt, die heute noch als Kopie abgerufen werden kann: http://info.cern.ch/.

Usern die Autonomie über ihre Daten zurückgeben

Allerdings ist Berners-Lee nicht ganz zufrieden damit, in welche Richtung sich das Internet entwickelt hat. Seiner Meinung nach ist das Internet zu einer Triebkraft der Unausgeglichenheit und Spaltung geworden. Es gäbe immer mehr mächtige Stellen, die versuchen, das Internet für ihre eigene Agenda zu nutzen. Er sieht einen kritischen Punkt erreicht und schreibt, dass eine Trendumkehr möglich und nötig ist. Aus diesem Grund arbeitet Berners-Lee gemeinsam mit einigen Kollegen seit einigen Jahren schon an Solid, der Neuerfindung des Internets. Solid soll nichts geringeres tun, als die Art der Datenspeicherung und -Weitergabe zu revolutionieren.

Solid ist ein Open-Source-Projekt, das nicht das Internet ersetzen soll, sondern darauf aufbaut. Ziel ist es, allen Nutzern die Kontrolle über ihre Daten zurückzugeben. Ganz gleich ob persönliche Daten oder nicht. Der Nutzer entscheidet dabei individuell welche Daten gespeichert werden, wo das geschieht und wer darauf Zugriff hat. Für die Entwicklung von Solid hat Tim Berners-Lee mit einigen Kollegen das Unternehmen inrupt gegründet. Dafür hat er sich eine Auszeit am MIT genommen und seinen Arbeitsumfang für das W3C-Konsortium zurückgefahren.

Datentresor schützt vor unberechtigtem Zugriff

Eine wesentliche Funktion in Solid erfüllen die PODs. Das sind Datentresore, die alle Daten enthalten, die sonst auf den Servern von Internetfirmen gespeichert würden. Auf dem POD können dann nicht nur die persönlichen Daten gespeichert werden, sondern beispielsweise auch abgegebene Kommentare, die Daten von Fitness-Apps oder geteilte Fotos. Es soll Online-Anbieter solcher PODs geben aber auch Hardware, sodass jeder seinen eigenen POD zu Hause haben könnte, auf dem seine Daten gespeichert werden. Man selbst entschiedet dann, wer oder welche Apps auf die Daten zugreifen dürfen und ob Veränderungen an den Daten vorgenommen werden dürfen.

Wer die PODs bereits testen will kann das tun. Auf der Website des Unternehmens finden Interessenten zahlreiche Informationen und Anleitungen. Die Server-Software ist Open Source und lässt sich auf eigener Hardware installieren. Man kann aber auch einen von inrupt oder der Solid Community gehosteten POD nutzen. Es bleibt abzuwarten, was aus Solid wird und ob wir bald tatsächlich wieder freier über unsere eigenen Daten bestimmen können. Zu wünschen wäre es.