Zocken wir bald nur noch in der Cloud?

Ein paar Anbieter gibt es bereits und auch Playstation betreibt bereits einen Cloud-Gaming-Dienst. Nun kündigten auch Nvidia, Microsoft und Google an, an ähnlichen Diensten zu arbeiten. Ist damit die Zukunft der Videospiele beschlossen?

In einen Laden gehen muss man für neue Spiele dank Downloads schon lange nicht mehr. Wenn sich Cloud Gaming durchsetzt kann man sich bald auch noch das regelmäßige Nachrüsten der Hardware sparen, um topaktuelle Titel immer in hoher Qualität spielen zu können. Beim Cloud Gaming oder Spielstreaming muss man sich darüber keine Gedanken mehr machen. Beim Cloud-Gaming meldet man sich am heimischen PC oder über ein Mobilgerät bei einem Anbieter an. Der Cloud-Gaming-Dienst wird dann auf seinen Server einen virtuellen PC zusammenstellen und dort die Spiele installieren und ausführen. Das Endgerät des Nutzers, also der Computer, Fernseher oder ein Tablet, muss dann nur noch das Bild wiedergeben. Man kann sich das Ganze also auch als eine Art Netflix für Spiele vorstellen.

Welche Voraussetzungen müssen für Cloud-Gaming erfüllt sein

Darin liegt auch schon die wesentliche Schwierigkeit beim Spielstreaming. Hohe Latenzzeiten und langsames Internet zerstören jegliche Spielfreude. Für ruckelfreies Spielen in HD sind deshalb etwa 10 Megabit pro Sekunde nötig, für Full HD sind es schon 25 bis 50. Mobiles Spielen wollen die großen Anbieter auch mit einer 4G-Verbindung ermöglichen, über kurz oder lang braucht es aber wohl 5G-Netze um den hohen Anforderungen gerecht zu werden.

Ansonsten braucht man nicht viel. Da die Rechenleistung auf Servern erledigt wird reicht schon ein Einstiegsrechner, um aktuelle Titel flüssig spielen zu können. Auch auf Smartphones und Tablets können Spiele gestreamt werden.

Was sind die Vorteile

In Zukunft wird ein Großteil der Rechenleistung von Servern erledigt

Wie schon erwähnt benötigt man nicht mehr immer die aktuellste Hardware. Vor dem Gesichtspunkt, dass nicht mehr jeder Gamer eigene
Hardware benötigt und nicht mehr jedes Spiel physisch in seinem Besitz hat, könnte Gaming nachhaltiger werden. Je nach Preisgestaltung könnte Cloud Gaming für leidenschaftliche Zocker sogar günstiger werden als es bis jetzt ist. Vorbei wären auch die Zeiten, dass man sich für neue Spiele entscheiden muss, welches man löscht. Auf dem PC dürfte das eher selten ein Problem sein, Konsolenbesitzer werden das Problem aber kennen. Die 500 oder 1000 GB sind schnell ausgereizt. Und künftig wird das wohl noch schneller gehen. Das bald erscheinende Red Dead Redemption 2 soll unglaubliche 105 Gigabyte Speicherplatz benötigen. So viel freien Speicherplatz hat wahrscheinlich kaum jemand auf seiner PS4.

Außerdem kann man rein theoretisch überall zocken. Du kannst zuhause den neuesten Assassins Creed Teil auf dem PC spielen und wenn du los musst den Spielstand auf deinem Tablet einfach fortsetzen. Je nach Anbieter soll man den Controller auch an das Smartphone anschließen können. Andere entwickeln neuartige InTouch-Overlays, die eine intuitive und einfache Steuerung ermöglichen, wie man es von einem Controller kennt.

Welche Anbieter gibt es

Der bekannteste bereits etablierte Anbieter dürfte PS Now sein. Das Angebot startete zunächst auf der PS4, ist aber inzwischen auch auf dem PC verfügbar. Seit Oktober kann man auch zahlreiche Titel herunterladen und offline spielen. Für derzeit 14,99 Euro monatlich oder 99,99 Euro jährlich erhält man Zugriff auf aktuell über 500 Spiele. Zum Angebot gehören PS2-, PS3- und PS4-Titel. Sony empfiehlt die Verbindung über ein Kabel sowie eine Übertragungsgeschwindigkeit von wenigstens 5 Megabit pro Sekunde. Gespielt wird mit dem PS4- Controller oder einem beliebigen anderen kompatiblen Gerät.

Auch schon länger verfügbar ist LiquidSky. Dort erhält man einen virtuellen Windows 10 Computer, auf dem beispielsweise bereits Steam vorinstalliert ist. Auch andere Quellen sind möglich. Auch der Windows Store soll bald unterstützt werden. Die Downloadgeschwindigkeit des virtuellen Rechners soll bis zu 10 Gigabit pro Sekunde betragen. Als Systemvoraussetzung gibt LiquidSky moderate Werte an. Ein Windows 7 Rechner mit  Gigabyte Arbeitsspeicher und 250MB freiem Festplattenspeicher werden benötigt. Auch hier wird eine Kabelverbindung empfohlen. Sollte es doch Wireless sein sollte es 5 GHz Wifi sein. Anderenfalls ist der Paketverlust zu groß. Allerwenigstens 5 Megabit pro Sekunde sollten anliegen. Das Unternehmen betreibt 5 Datenzentren weltweit, darunter auch eines in Frankfurt. Spieler aus Deutschland können also auf eine niedrige Latenz hoffen. Auch LiquidSky unterstützt Controller und ist für Windows und Android verfügbar. Einmalig 25 Stunden Spielen und 200 Gigabyte Speicher gibt es für 14,99$. Ein monatliches Abo mit dann etwa 100 Stunden Spielzeit gibt es für 24,99$.

Ähnlich funktioniert das Cloud-Computing auch beim Wettbewerber Shadow. Ein Monat kostet dort 44,99€. Im Dreimonatspaket zahlt man monatlich noch 34,95 und im Jahresabo kostet der Monat 29,95€. Dafür erhält man die Rechenleistung eines Xeon Achtkernprozessors mit der Grafikleistung einer GTX 1080 und 12 GB DDR4 Arbeitsspeicher. Für eine störungsfreie Verbindung werden mindestens 15 Megabit pro Sekunde benötigt.

Wie  sieht die Gaming-Zukunft aus?

Darüber hinaus gibt es diverse kleinere Anbieter. Aber auch ein paar Big Player wollen den Markt aufmischen. Microsoft und Google haben angekündigt, Plattformen für Cloud-Gaming zu entwickeln. Beide sind bereits auf der ganzen Welt tätig und haben Datenzentren auf dem gesamten Globus verteilt. Während Google für das Spielen auf seinen Browser Chrome bauen will gibt es von Microsoft noch nicht sehr viele Infos. Man weiß jedoch, dass die Azure-Datenzentren eine wesentliche Rolle spielen werden. Außerdem hat man bereits Blades entwickelt, die sich sehr stark an der Xbox-Architektur orientieren und mit denen die Server bei Bedarf schnell und leicht skalierbar sind. Auch Nvidia arbeitet momentan an einer Cloud-Gaming Plattform.

Alle sind sich darin einig, dass Cloud-Gaming eine immer größere Rolle spielen wird. Dreh- und Angelpunkt ist aber, wie schnell und wie flächendeckend 5G-Netze in Deutschland ausgebaut werden. Denn gerade das Spielen von aktuellen Top Titeln auf dem Smartphone oder Tablet ist etwas, das es so noch nicht gibt.

Game Over für Konsolen?

Einige Branchenexperten gehen davon aus, dass Konsolen irgendwann von Cloud-Gaming-Anbietern vom Markt verdrängt werden. PlayStation und Xbox wird es dann nicht mehr als Spielekonsole existieren sondern nur noch als Service, der beispielsweise als App auf einem Smart-TV vorinstalliert ist. Das kann sich auch schon bei den kommenden Konsolengenerationen zeigen. Berichten zufolge will Microsoft dann zwei Versionen der Xbox herausbringen. Eine klassische Heimkonsole, wie wir sie kennen und eine zweite Variante, die wesentliche Teile der Rechenleistung in die Cloud auslagert.